Tief im Westen Frankreichs, nördlich an das Bordeaux grenzend, liegt das Gebiet um das Städtchen Cognac. Hier hausen, nimmt man das Bonmot vom „La Part des Anges“ – Anteil der Engel – ernst, mit Sicherheit besonders viele der geflügelten Wesen. Das, was hier aus den Kellern der legendären Brennereien dringt und sich lieblich schwer über die barocke Kleinstadt legt, ist so konzentriert wie verführerisch– eine samtene hochprozentige Wolke aus Aromen von Vanille, kandierten Orangen, Kokos und Röststoffen, der Lockruf der Fässer aus den Kellnern von Cognac-Brennereien wie Baron Otard, Remy Martin, Courvoisier oder Hennessy. Hier, am Ufer des La Charente, schlägt das Herz des französichsten unter den Bränden und es schlägt nach Jahren des Dornröschenschlafes wieder zunehmend lauter und schneller.
Allein der Name Cognac klingt nach Luxus und Genuss. Etwas, das in den letzten Jahrzehnten nicht nur zum Segen sondern auch zum Fluch dieses göttlichen Getränks wurde. In Zeiten des schnellen Lebens bleibt den meisten Menschen kaum noch Muse sich auf derart Kapriziöses einzulassen. Außerdem haftet Hochprozentigem wie Cognac, in Zeiten von Körper- und Gesundheitskult, etwas nicht mehr Zeitgemäßes an.
Nichts für Quickies und Schluckspechte. Wer sich also als echter Genießer von Genussverweigerern oder -missbräuchlern absetzen möchte, der muss sich schon auf ein derart anspruchsvolles Getränk einlassen. Schließlich braucht es Jahrzehnte ja sogar mehr als hundert Jahre, bis die ältesten Bestandteile der Blends gereift sind. Erst dann entfalten sie unter den geschulten Gaumen und Nasen der Master Blender in der Mischung mit jugendlichen Schwestern und Brüdern ihre vollständige Tiefe.

DICHT AN DICHT LAGERN DIE ALTEN FÄSSER MIT DEN TEUREN TROPFEN IN DEN KELLERN DES COGNAC

HANKA PAETOW – CHEFREDAKTEURIN DES GOODTASTE-GENIESSERMAGAZINS BEIM ERHALT IHRES „CERTIFICAT D’HÔTE D’HONNEUR“ AUS DEN HÄNDEN VON BARON OTARD SALES AND MARKETING DIRECTOR PHILIPPE JOUHAUD Foto Götz A. Primke

DIE BERÜHMTEN BLENDORGELN – HIER BEI FRAPIN Foto Götz A. Primke
Betrachten wir also, was die Masterblender ähnlich Parfumeuren in die Flaschen und Kristallflacons bringen. Bei der Hochzeit der alten Schätzchen mit den jungen Bränden entstehen die berühmten Blends zwischen VS über V.S.O.P., XO bis hin zu den Premium Blends mit den klangvollen Namen wie „L’Essence de Courvoisier“, „Baron Otard Fortis et Fideles“, „Frapin The 1888 Vintage“, „Chateau Montifaud Héritage Maurice Vallet“, „Hennessy Paradis“ oder „Remy Martin Louis XIII“. Je nach dem wie jung oder alten die Blends verschnitten sind, zeigen sie sich dann zwischen frischen, blumigen Noten bis hin zu Noten von Tabak und dunkler Schokolade. Wer die für sich entdecken möchte der braucht Neugier auf Sinnlichkeit und vor allem Zeit.
Auch Barkeeper finden wieder mehr und mehr Gefallen, mit der Vielfalt dieser Brände zu arbeiten. Denn gerade die jungen frischen Varianten VS und V.S.O.P – die einen sind mindestens zweieinhalbjährig, die anderen vier bis acht Jahre Minimum auf dem Fass (wobei man dabei immer den jüngsten der Blends angibt und von Haus zu Haus gerade bei den V.S.O.P. variieren können) – eignen sich mit ihren Düften von Jasmin und Veilchen besonders gut für leichte frische Cocktails.
Zu dem haben auf Grund ihrer Tiefe und ihrer Lagerfähigkeit sich besonders die hochwertigeren Blends beginnend bei mindestens XO (im Schnitt mindestens 15 bis 20 Jahre gelagert) speziell auf dem russischen und chinesischen Markt eine große Anhängerschar erobert. Hier feiert man bereits die Renaissance des Engelsgetränks bei den Sondereditionen als Sammelobjekt per se.

VERGLEICH DER BLENDS IM HAUSE COURVOISIER

NEUER ALTER LIEBLING DER BARKEEPER – COGNAC
Zu dem stehen auch die grandiosen Baccarat-Decanter aus der Hand berühmter Glaskünstler im Focus der ein oder anderen Begierde. Doch nur beides zusammen macht den Wert! „Wenn mich jemand fragt, was teurer ist die Falsche oder der Brand darin,“ erklärt folgerichtig auch Philippe Jouhaud Sales and Marketing Director im Hause Baron Otard „dann antworte ich immer mit einer Gegenfragen: Ist es wichtig wenn man ein Meisterwerk beispielsweise von Toulouse-Lautrec oder Monet betrachtet was Farbe und Leinwand gekostet haben?“

ZUM „LE PART DES ANGES“ WERDEN DIE TEUERSTEN BLENDS VERSTEIGERT

IN DEN SCHATZKAMMERN SCHLUMMER DIE VINTAGES UND WARTEN AUF IHRE ERWECKUNG DURCH DIE MASTER BLENDER
Machen wir uns also auf die Suche nach dem Mythos Cognac. Und wo könnte man dem trefflicher begegnen, als in Cognac selbst. Besonders wenn sich einmal im Jahr die Wichtigen der Traubensaft-Destillateure zur Versteigerung „Le Part des Anges“ im Schlepptau mit ihren treuesten Sammlern und Käufern treffen, um bei einer Charity-Versteigerungs-Gala von Cognac-Raritäten quasi die Essenz der Creme de la Creme unters Volk zubringen.
Das es zu den einzelnen Gängen des Dîners, zubereitet von hochdekorierten internationalen Köchen, nur Cognac gibt, versteht sich da ja wohl von selbst. Hier zeigt sich das Getränk in seiner ganzen Finesse. Wer dann noch ein gefülltes Portemonnaie bei sich hat, steigert gleich nochmals so betört. So wechseln da durchaus Einzelstücke zu Preisen von bis zu rund 40 000 Euro die Besitzer wechseln. Die Nutznießerin 2014 war übrigens die Stiftung von Her Royal Hines Sarah Duchess of York. Die betonte dann auch unumwunden bei Ihrer Dankesrede: „Ich bedanke mich dafür, dass Sie mich über die vielen Jahre so wohltuend betrunken gemacht haben!“ Naja wenn es um das Maß ging war „Fergie“ schon immer etwas großzügiger, wenn es um den Geschmack nicht.

HR SARAH DUCHES OF YORK MACHT KEIN GEHEIMNIS AUS IHRER VORLIEBE FÜR COGNAC

EIN BISSEL DISNEY WORLD FÜR TOURISTEN – DIE OBLIGATORISCHE DESTILLE IN DEN MUSEEN DER BRENNEREIN
Doch kommen wir noch einmal auf den Cognac und seine Herkunft zurück. Das es diesen Brand überhaupt gibt, verdanken wir heute der Idee des Baron Otard. Der kehrte, nach seiner Flucht vor der französischen Revolution, 1795 von Schottland kommend, mit dem Wissen um das Veredeln des Malts via Eichenfässer, zurück. Sicher hatten die Bewohner der Cognac schon vor Baron Otard Eu de Vie gebrannt, einen aus Wein destillierten Klaren, aber die geduldige Lagerung des Stoffes in getoasteten Fässern um ihm Farbe und Aroma zu verleihen, war neu. Was auch zunehmend eine Rolle spielte war das Wissen, um den Einfluss des Terroirs auf den Rohstoff. Das jeweilige Anbaugebiet spiegelt sich deutlich im Ergebnis auch nach Brand und Lagerung wieder. Filetstück der Cognac ist dabei das Gebiet der Grand Champagne, fast umschlossen von der Petit Champagne. Von hier kommen die weichsten und rundesten Weine, die auf fetten Kalkböden wachsen und besonders samtige Noten zeigen. Dem schließen sich an die Borderies, Fin Bois, Bons Bois und im äußersten Westen und auf einem kleinen Flecken im Süden das Bois Ordinäres (Dazu gehören auch einige Küsten nahe Insel, wo die Reben auf salzigem Fuß gedeihen) an. Insgesamt gilt: je spröder der Boden desto spröder die Aromen.
So gibt es wohl genug Gesprächsstoff, um sich mit Freunden oder ganz allein diesem geschichts- und geschichtenträchtigem Getränk zu nähern. Oder man plane gleich den nächsten Tripp in eine Region, über der sich ein Himmel voller Engel wölbt!
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ELEGANT DIE SHOPS DER EINZELNEN BRENNEREIEN